Unterricht

Seit Herbst 2013 habe ich eine Professur für Barockvioloncello und historische Violoncello-Instrumente an der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn-Bartholdy" in Leipzig inne. Und das ist unser Team:

 

v.l.n.r. Tobias Schade, Robert Ehrlich, Jan Freiheit, Nicholas Parle, Susanne Scholz, Mechthild Karkow.

(Foto: Siegfried Duryn)

 

Mein Unterricht orientiert sich am chronologischen Verlauf der Musikgeschichte. Entwicklungen und Veränderungen in der Stilistik der Musik, in deren Aufführungspraxis und im Instrumentenbau lassen sich so am besten nachvollziehen und vor allem „nachfühlen“. Heutzutage können wir die Musik einer Epoche am überzeugendsten darbieten, wenn wir die jeweils herrschenden historischen Gegebenheiten und Konventionen als Ausgangspunkt nehmen und gleichzeitig über die Veränderungen und Neuerungen innerhalb der zu betrachtenden Epoche informiert sind.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Basso-Continuo-Spiel: Von dieser im wahrsten Sinne des Wortes fundamentalen Zeile im System der Partitur, bestehend aus einer Basslinie und deren Harmonisierung, erklärt sich weitgehend die Musik des ganzen Generalbass-Zeitalters. Ohne Continuo-Erfahrung und ohne harmonisches Bewusstsein erschließt sich für den Studenten kein Solospiel, ergibt sich kein schlüssiges Konzept für die Darstellung einer Komposition. Aus dem harmonischen und artikulatorischen Verlauf der Continuo-Stimme sollen Binnendynamik und Phrasierung entstehen und im günstigsten Fall eine mitreißende Wirkung für eine ganze Kammermusikgruppe oder gar ein ganzes Orchester entfalten.

Nicht zuletzt folgt aus der Erkenntnis, dass es das Barock-Violoncello schlechthin nicht gibt, die Notwendigkeit für den Studenten, entsprechend des zeitlichen und regionalen Kontexts, völlig verschiedene Bassgeigen kennen und spielen zu lernen. Eine korrektere, wenngleich etwas gestelzt klingende Bezeichnung für den Studiengang wäre also nicht „Barockcello“, sondern „Bass-Instrumente der Violinfamilie des 16.-19. Jahrhunderts im 8-Fuß-Register“. Das Kennenlernen dieser großen Vielfalt an Instrumententypen, Spieltechniken, der Anzahl der Saiten, der verschiedenen Stimmungen und der Bogenhaltung sowie deren passende Anwendung auf das entsprechende Repertoire ist mir im Rahmen dieses „Barockcello“-Studiums sehr wichtig.

Der Inhalt meines Unterrichts schließt Musik und Instrumentarium von etwa 1600 bis 1800 ein: von der Renaissance-Bassgeige bis zum Violoncello der Klassik. Dafür bietet der Fundus an Instrumenten hier an der HMT Leipzig sehr günstige Vorrausetzungen, sind doch eine Reihe solcher Instrumente vorhanden und können im Unterricht genutzt, in der Hochschule gespielt und ggf. entliehen werden.